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„Ist VOX jetzt echt so blöd?“

Wirklich? Survivor Deutschland schon wieder versenkt?

Am zweiten Montag im Dezember flimmerte das Finale der bisher letzten deutschen Staffel „Survivor“ von VOX über die Bildschirme. Zu einer nachtschlafenden Zeit. Natürlich kaum beachtet. Der verdiente Finalist hat mehr Euros eingestrichen als bei der letzten Folge noch Zuschauer „Gesamt“ (ab 3 Jahren) dabei waren. Auf die Quoten zur werberelevante Zielgruppe (14-49 Jahre) möchte ich an dieser Stelle gar nicht eingehen.

War das Quotenschicksal? Oder hausgemacht? Ist Deutschland, das Land der Dichter und Denker, der Welt einfach mal wieder voraus? Oder gar abgeschlagen?

Im Schnitt waren es etwa so viel offensichtlich interessierte Zuseher, wie der 1. FC Köln an begeisterten Zuschauern, und hier wirklich von 3 bis oben offen, zu den ersten drei Heimspielen seit 30 Jahren ins Stadion in Müngersdorf strömen lässt. Der Kultverein steigt zwar immer wieder ab und mutet seinen Anhängern enorm hohe Frustrationstoleranzgrenzen zu, aber die Fans und Zuschauer am TV und im Stadion werden immer unterhalten. „Wenn schon kein Fußball, dann singen wir halt Karnevalslieder“. Zwei Wochen später lassen sie sich von ihrer Mannschaft wieder an der Nase herumführen und strömen trotzdem ins Stadion, sobald das Licht angeschaltet wird. Soweit, so gut. Bei Survivor hat das nachweislich nicht geklappt. Es waren etwa 1 Million (zum Vergleich: die erste Staffel bei ProSieben hatte 1,6 mio).

Die Grafik zu den Quoten der Staffel Die Quoten über die gesamte Staffel

Doch aller Zynismus mal bei Seite: Dieser Flop von Survivor war für VOX ein wirklich, wirklich teures Abenteuer. Allein der Erwerb der Rechte an diesem weltweit sehr erfolgreichen Format ließ sich für VOX nur mit partnerschaftlichem Beistand des Streamingdienstes „TV-NOW“ stemmen. Und so eine Survivor-Produktion, gegen die ein Dschungelcamp mit festinstallierter Technik und in heimeliger Hotelparkkulisse wie ein Volontariat wirkt, muss auch erst mal finanziert sein. In der Südsee, in natürlicher Umgebung, auf einer wirklich einsamen Insel am Arsch der Welt, mit professioneller mobiler Technik und einem Team, das fast ein kleines Dorf bevölkert. Alle Achtung. Das ist schon eine Hausnummer. Ok, könnten wir jetzt denken. „Man kann halt nicht immer gewinnen“. Wirklich?

Gut. Dann mal ans Eingemachte.

Es war die zweite originale Survivor-Staffel in Deutschland. ProSieben hat es 2007 mit „Survivor Malaysia“ vorgemacht und obwohl es dem Sender im Schnitt absolut mehr Zuschauer bescherte, ist es dort ebenfalls gefloppt. Aber zu der Zeit war die Fernsehlandschaft auch noch eine andere. ProSieben hielt sich einige Jahre bedeckt mit Stellungnahmen zum Misserfolg ihrer Survivor-Staffel „Malaysia“. Doch später rückten sie berechtigterweise zwar nicht vom „eigentlich guten und gelungenen Konzept und Produktion“ von Survivor ab, gaben aber zu, dass der Ausstrahlungstermin zur Primetime um 20:15 wohl ein Fehler war.

Ja. War es. Und noch einige mehr. Aber Schwamm drüber. Fehler können, dürfen und müssen sogar passieren, wenn man Neues wagt. Sonst wird es nichts Neues, vielleicht sogar Spektakuläres. Risiko.

Halten wir mal fest, was 2007 bei der Ausstrahlung von ProSieben gut funktioniert hat:

  • Ein Moderator, mit dem man durchaus Survivor identifizieren konnte. Kein Jeff Probst. Aber passte.
  • Gut gewählte Teilnehmer. Das passte.
  • Handwerklich sehr gut produziert. Das ist jetzt noch 12 Jahre später stimmig. Überzeug Dich hier!
  • Offene, realistische  Abbildung der Teilnehmer-Charaktere. Ehrlich. Echt. Authentisch.
  • Freies, ungescriptetes Konzept für die Teilnehmer
  •  Dramaturgisch spannend erzählt über die gesamte Staffel. Man braucht etwas, um die Geschichte aufzunehmen. Ab der Zusammenführung in Folge sieben dann aber richtig gut.

Und jetzt, was 2007 bei der Ausstrahlung NICHT funktioniert hat

  • Titel Survivor – nur im englischen durch die doppelte Bedeutung stimmig. In Deutsch funktioniert das nicht. Dazu werde ich noch einen gesonderten Beitrag schreiben. (Unglaublich, dass man darüber schreiben muss!)Image Survivor 2007
  • Ein dem potentiellen Zuschauer (Zielgruppe) nicht erklärtes, komplexes, neues Format
  • Regeln ohne Aufklärung. Warum sollte ich „Schach am Strand“ anschauen, wenn ich die Regeln nicht kenne? Beim Schachspielen zuschauen ohne Regelkenntnis ist noch langweiliger als „Darts“ im TV. Und es ist definitiv Schach und kein Halma. Wie lange würdest Du zuschauen?
  • Keine ausreichende Langzeit-Promotion. Reality-Echt-Wirklich! Kaum Sensibilisierung bei Presse und Zuschauer.
  • Primetime.
  • Zu langer Ausstrahlungsrhythmus. Immer Dienstags 14 Folgen von 14. August bis 17. November. Bei Vox dann das gleiche: 13 Folgen Montags  von September bis Dezember.
  • Keine Kandidaten-Vorstellung und –Einführung und damit null Identifikation des Zuschauers mit dem Teilnehmer.
  • Keine Einführung in die Anforderungen der grenzwertigen, körperlichen und mentalen Leistungsfähigkeit der Teilnehmer.
  • Kaum Aufklärung über die Herausforderungen einer tropischen Umgebung.
  • Ungenügende Darstellung des „Überlebens“ auf der Insel.
  • starrer Aufbau der Einzelfolgen über die gesamte Staffel: 60 Minuten Sendung. Davon ¼ Spiele, ¼ Inselrat, ¼ Spieltaktiken der Teilnehmer, ¼ Werbung.
  • Falscher Sendeplatz bei ProSieben. Dienstags. In Konkurrenz zu: Zweite Folge Championsleague Start, dritte Folge zehnter Todestag Lady Diana. Fußball und die Diana-Dokus liefen bei der Konkurrenz mit Traumquoten. In Folge 4 war dann der Faden verloren.
  • In Deutschland gibt es nun mal andere Kandidaten als in den USA. Das meint auch Holger Speckhahn, der Moderator des Survivor-Ablegers „Inselduell“ aus 2001, in einem Interview aus 2013. Man hätte es bei VOX also schon wissen können. Und in dem Fall auf die guten Vorschläge der Castingagentur „Fameonme“ auch im Einzelfall hören sollen. Hier bei uns haben die Menschen eine andere Mentalität. Sowohl als Teilnehmer und natürlich auch als Zuschauer. Das können wir nicht ändern. Aber dann sollte das Format auf DEUTSCHE Mentalität zugeschnitten werden. So kann ein „Deutsches Survivor“ mit Wiederkennungseffekt entstehen.
  • und …
  • und …
  • und …

Machen wir an dieser Stelle erst mal Schluss mit der Liste.

Denn was wäre eine Kritik ohne konstruktive Vorschläge.

3 von „1000“ Gründen, warum VOX das in den Sand gesetzt hat

Die Glaubwürdigkeit von Survivor

Und da sind wir schon beim eigentlichen Dilemma des Survivor-Quotendesasters:

Business as Usual. Einfach wie immer! Die notwendigen Zutaten her und wir backen uns eine tolle Survivor-Staffel. Dem Zuschauer, der das ganze ja am Ende mit Quote bezahlen soll, wird es schon schmecken. Schließlich frisst er die deutsche Reality-Mischung ja schon seit dem ersten Bigbrother 2001. Zwar schon alles ziemlich professionell gemacht. Aber … Nun ja. Der Kreativitätsfaktor etwas abgenutzt. Und mittlerweile verkommen zum Trash? Aber wo ist das Neue? Ein Graubrot bleibt ein Graubrot, wenn ich es wie ein Graubrot mit den Zutaten eines Graubrotes backe. Und jeder (du ahnst es: wir sind ja nicht doof) wird es auch sofort als solches erkennen. Auch wenn der Bäcker nicht aufhört zu behaupten: Ganz neu. Sensationell. Noch nie dagewesen, das Beste unter Gottes Sonne, exorbitant hart und gefährlich. Überzeugend wäre es erst, wenn es dann so überzeugend gemacht wäre. Und schon sind wir wieder bei der Glaubwürdigkeit von Survivor in Deutschland.

Wenn es eine Emoji für Kopfschütteln gäbe, hätte ich es jetzt hier eingefügt. Doch weiter mit der nächsten Erschütterung meines Glaubens an unsere Fernsehmacher.

  • Haltet euch fest: Da hat die erste Folge am 13. September keine herausragenden, aber immerhin Hoffnung gebende runde eine Million Zuschauer, die erwartungsvoll auf das von den Sendern der RTL-Familie geteaserte „härteste Spiel der Welt“ hoffen. Sie haben seit 20:15 mehr als eine Stunde zugeschaut. Und sie haben viel gelernt. Gleich am Anfang. Wie man eine Intrige einfädelt. Gerade auf einer einsamen Insel angekommen. Wie man sich gegen jemanden verschwört, den man noch gar nicht kennengelernt hat. Hmh. Ach so. Dabei zeichnet sich eine gute Intrige doch dadurch aus, dass man sie nicht als solche erkennt. Sondern erst am Ende, wenn die „Rübe“ runter ist. Das ist doch dann das „Boah“. Weiß die Menschheit spätestens seit Heinrich dem VIII. Das ist doch das, wonach die Fernsehmacher streben. Dieser Cliffhanger. Der uns anfixt für die nächste Folge. Oder?
  • Sie (die vielleicht noch mio) haben dabei zugeschaut, … (wohlgemerkt in der ersten Folge. Ein ein paar Minuten sind erst vergangen. Auf einer einsamen Insel, wie versprochen? Nein. Auf Holzpfählen. Im Meer.) … wie zwei unbekannte Menschen auf dieser Insel (Du ahnst es. Sie werden nicht wirklich vorgestellt) versuchen, einen dramatisch herbeigezerrten, aber eben auch unverständlichen Versuch einer Verschwörung abzuliefern. Allzu gescripted wirkt es. Die Taktiken der amerikanischen Teilnehmer aus den USA schlecht zu imitieren, stößt eben nicht auf die notwendige Glaubwürdigkeit.
  • Aber der noch nicht verschreckte und weiter über das Intrigieren an sich nachdenkende Zuschauer lernt nun aber nun auch noch, wo man auf einer einsamen Insel in der Südsee an einer unbekannten, sehr unzugänglichen, versteckten Stelle im Nu ein überaus wichtiges (Zum Essen? Oder vielleicht zum Drinwohnen? Oder zum Schutz vor der Hitze? Oder gar vor wilden Tieren?) Amulett finden kann.
    Bilde des geheimen AmulettsEin geheimer Survivor-Zauber? Das wäre ja mal interessant. Nein. Du ahnst es. Um eine total hirnrissige Täuschung vorzubereiten. Ein geheimer Survivor-Zauber? Das wäre ja mal interessant. Aber immerhin. Sie finden es an einer Stelle, mit der es eigentlich nur mit GPS-Ortung zu finden gewesen wäre. Hmh. Also, man könnte fast meinen, dass hat denen jemand gesagt. „Psst. Schaut mal dahinten. Aber nicht weitersagen.“ Überhaupt macht diese Finte mit dem Amulett hier noch gar keinen Sinn. Das ist ja in etwa so, als wenn man im Championsleague-Endspiel mit dem Elfmeterschießen anfängt. Ich vermute, da haben einige bei VOX (oder war’s Banijay) was nicht verstanden. Der Zuschauer auch nicht. Spätestens hier, also schon ziemlich am Anfang der ersten Folge von 13, wird es schwierig für die vielleicht noch Million, einen glaubwürdigen Versuch zu erkennen, sie spannend und mit etwas Neuem gut zu unterhalten.

„Wenn es unseriös wird, dann wird’s schäbig.“

Da scheint es mir doch eindeutig an der notwendigen Kreativität und auch der Bereitschaft zu mangeln, Qualität abzuliefern.

Hier möchte ich auf ein sehr interessantes Interview zum Thema Kreativköpfe im Deutschen Fernsehen und über die Möglichkeiten einer guten TV-Umsetzung in Deutschland eines im Ausland erfolgreichen Formates am Beispiel der englischen Realityshow „Love Island“ hinweisen. Christiane Ruff (CEO ITV Studios Germany) und Shona Fraser (Vice President Entertainment & Development bei RTL 2) und seinerzeit die Produzentin der ersten Survivor-Staffel bei ProSieben, haben es am 09.09.2019, also noch vor Start der VOX-Staffel dem onlinemagazin DWDL.de gegeben.

„Das ist Shakespeare“: Ruff und Fraser über „Love Island“

Bild von Christane Ruff und Shona Fraser

Christane Ruff und Shona Fraser

Beide gehen für mich sehr aufschlussreich auf die Komplexität, den enormen Aufwand sowohl bei Material als auch bei Personal, dem sensiblen Casting und der kreativen Leistungsfähigkeit jedes verantwortlichen Mitarbeiters bei dem „Monsterapparat“ der Produktion eines ausländischen TV-Formates in Deutschland ein. Sie weisen unter anderem auf die Problematik der fehlenden Kreativ-Kapazitäten auf dem deutschen Fernsehmarkt ein. Wenig gute Ausbildungsmöglichkeiten und zu hohe Gehälter für die wenigen Kreativen auf dem Markt. Die Sender werben sich die seltene Kompetenz gegenseitig ab. Übrig bleibt dann Handwerk.

Der nächste Grund von „1000“ für den Flop des Jahres

Ein Kreativproblem

Die Feststellungen von Christiane Ruff und Shona Fraser machen für mich den Misserfolg von Survivor-VOX noch klarer. Das deutsche TV hat ein Kreativ-Problem. Alle wollen es sein. Nur wenige sind es. Aber die sind woanders und wollen aus gutem Grund viel Geld, um sie abzuwerben. Ein handwerklich gut ausgebildeter Schreiner macht mir eben nur einen Schrank. Aber einen schönen Schrank baut mir nur der gut ausgebildete und kreative Schreiner.

VOX folgt meines Erachtens wie andere Sender einfach dem ersten Esel. So dumm der auch ist. Hauptsache groß. Frei nach dem Motto: „Das ging schonmal so. Das kriegen wir schon hin. Wir haben zwar nicht die kreativen Köpfe, die wir brauchen, um das „gut“ (anm. einzigartig, unterhaltend, fesselnd, informativ, spannend, spektakulär) zu machen, aber so schwer kann das doch nicht sein. Die Kollegen von ProSieben haben es zwar mutig selbst probiert und prompt eine Bauchlandung hingelegt. Aber uns passiert das nicht.

Image vom Survivor Frankreich Koh-Lanta-Logo Kambodscha

Wir holen einfach eine Produktionsfirma aus Frankreich, die das dort schon über mehrere Staffeln gemacht hat. Da ist zwar ein Teilnehmer während der Aufzeichnung gestorben und Koh Lanta (das französische Survivor) wurde daraufhin in Frankreich 2013 eingestellt. Aber die werden schon wissen, wie das geht. Und bei Zweifeln machen wir es einfach 1:1 wie in den USA. Sogar mit den taktischen Spielzügen der Teilnehmer untereinander. Was soll da schon schiefgehen?“

„Ja nee. Is klar!“

ProSieben waren die ersten.  Risiko. Da kann man schonmal hinknallen. Keiner weiß beim ersten Mal wirklich so genau, wie das geht. Ok. Aus Fehlern kann, ja sollte, nein muss man lernen. Aber VOX? Ziehen den gleichen Stiefel einfach nochmal durch!

Und Überraschung!

Klappt wieder nicht. Einen Haufen Kohle mit Ansage versenkt. Mund abputzen. Machen wir einfach die nächsten 12 Jahre nicht mehr. Hallo? Wie blöd muss man eigentlich sein?

Das macht mich sauer. Wie kann man solch ein nachweislich interessantes, spannendes, unterhaltendes und inspirierendes TV-Format (Ich weiß wovon ich rede. Ich war dabei und habe es erlebt) zum zweiten Mal versenken? Mit den gleichen Fehlern? Das geht doch gar nicht!

Du ahnst es. Und es geht doch.

Jetzt zu meiner Ansicht, warum es wieder floppen musste!

Ich habe am letzten Wochenende in Augsburg mit John „from California“, einem schon seit 1992 in Deutschland lebenden US-Amerikaner geplaudert. Nebenbei kamen wir auf Survivor zu sprechen. Mittlerweile läuft die 39. Staffel in den USA. Er ist ein großer Fan und sehr angetan, als er mitkriegte, dass ich der erste deutsche Survivorgewinner in Deutschland bin. Ich fühlte mich gebauchpinselt, aber musste ihm natürlich auch sagen, dass die Sendung bei uns nun schon zum zweiten Mal floppt. „What? Why?“ Ich entgegnete in meinem besten Brooklyn-English: „I think, the Germans think, its trash like the other shows in German TV.“ Er konnte es nicht glauben und rief mir ein „Oh. No. Its real“ entgegen. Ich weiß. Was willste machen.

  • So ist es. Its real. VOX hat es zu aller erst versäumt, Survivor glaubwürdig an die Zuschauer und die Medien zu bringen.

Keiner bei VOX hat sich offensichtlich außerhalb professioneller Routinen intensiv mit dem Format Survivor beschäftigt. Wie sollte sich sonst erklären lassen, dass z.B. sternonline am 17. September 2019 17:02 Uhr nach Ausstrahlung der ersten Folge vermeldet:

„Survivor“ heißt die neue Trash-Show auf Vox.

Nach der markigen Headline und dem vielsagenden Untertitel nehmen die Stern-online-Redakteure dann kurz und knapp Bezug auf den Inhalt der Sendung:

„Endlich gibt es eine neue Reality-Serie im TV:

„Survivor“.

Was in den USA seit 20 Jahren erfolgreich ausgestrahlt wird, läuft nun zum ersten Mal auch in Deutschland auf VOX.

Das Konzept ist schnell erklärt: …“ (Zitat Ende)

Ist es eben nicht. Das schreibt man nur, wenn man das Format nicht verstanden hat.

Hallo? „Oh. No. Its real“

Ja. Ich weiss. Ihr habt schon den ein oder anderen VOX wohlgesonnen Schreiber gebrieft. Zum Beispiel hier:

Survivor“ bei VOX: Kein Trash, sondern hochwertige Abenteuer-Realityshow – Review. Neuauflage startet heute Abend. Rezension von Glenn Riedmeier – 16.09.2019, 13:59 Uhr“

Nicht überzeugend genug. Mehr ein Info-Eintopf nach dem Rezept „Survivor-Allerlei“ aus dem Bereich Wikipedia.

Erinnerst Du Dich noch an meine Fehlerliste ganz am Anfang? Nein? Hier nochmal.

Ey Voxis. Da hätte schon Monate vorher der geliebten Journaille Nachhilfe in Sachen Survivor-Reality gegeben werden müssen.

Das sollte euch schon aus dem Fehlstart 2007 bekannt sein. Das Promotionrad hätte viel früher heiss laufen müssen. Im September die erste Folge? Dann fange ich mit der Sensibilisierung in allen Formaten crossmedial schon im Frühjahr an. Und nicht 3 Wochen vorher. Nach dem Motto: VOX bringt Survivor nach Deutschland. ? Kleines Medien Einmaleins. Wir bleiben glaubwürdig. Fast jeder von uns weiß zumindest noch, dass es so etwas wie dieses angeblich „neue“ Survivor schon mal gab. Wahrscheinlich erinnern wir uns auch an den Namen. Vielleicht nicht an den Sender, auf dem die Survivor-Folgen damals liefen, von denen wir dann wahrscheinlich auch nur die ersten zwei Folgen gesehen haben. Geschenkt. Aber wir wissen, dass Survivor nicht von VOX 2019 nach Deutschland geholt wurde. (Du ahnst es. Wir sind nicht doof).

„Schach am Strand“ haben wir auch schon 2007 gehört.

Und „Durchhalten – Überlisten – Besiegen!“ klingt nicht gerade innovativ kreativer als Überwinde! Überliste! Überlebe! aus der ersten Staffel von ProSieben.

Doch ich will mal nicht so sein. In der seit Jahren von euch allen verbrannten deutschen Reality-Landschaft ist es mittlerweile ein Reflex, einfach abzukupfern. Was willste machen. Is halt so.

Was ist es denn dann, dieses Survivor?

titel survivor pro7

Survivor Malaysia aus 2007. Die erste Survivorstaffel in Deutschland.

Sechs Monate hatte VOX wenigstens Zeit, denen da draußen vor dem Bildschirm oder in den Redaktionen Survivor zu erklären,

dass Survivor nichts mit Sport zu tun hat.

Dass es in diesem Spiel um Willen, Geduld, Disziplin, Mut, Ehrlichkeit, Vertrauen geht,

Um Einsamkeit, soziale Isolation.

Dass es ein Teamspiel, ein gruppendynamisches Spiel ist.

Dass es um echten Hunger, um echte Tropenstürme, um echte Haie im Wasser und echte Schlangen im Dschungel da drüben 20 Meter vom Lager entfernt geht.

Dass es für jeden einzelnen Teilnehmer um körperliche Strapazen bis an die gesundheitlich gerade noch zumutbare Grenze geht.

Dass es um mentale Erschöpfung unter andauerndem Stress geht.

Und das jeden verdammten Tag. 50 Tage in der ersten ProSieben-Staffel und 39 Tage bei der abgelaufenen von VOX.

Doch wie soll man das gescheit rüberbringen und die Leute da draußen – EUCH – sensibilisieren, wenn die Macher selbst nicht wissen, wie Survivor funktioniert? (Ihr werdet es ahnen) Es gibt da offensichtlich ein Missverständnis zwischen Erwartung und Anspruch.

Aber wie sagte Christiane Ruff in dem oben zitierten Interview noch: „Wenn es unseriös wird, dann wird’s schäbig.“

Ein dritter Grund von „1000“ für den Quotencrash von Survivor

Die Distanz zum Zuschauer

Im Anschluß an die Ausstrahlung dieser ersten Folge planen die Survivormacher von VOX nun eine Expertenrunde, die dem wohlgeneigten Zuschauer, (du ahnst es schon – er ist es nicht mehr) das Format näherbringen, erklären, was auch immer soll. Über das Timing habe ich oben ausführlich geschrieben. Kann ja nicht so schwer sein? Haben sich die übriggebliebenen Zuschauer auch schon gedacht. Sie sind mittlerweile bei „und was soll jetzt das Ganze?“ angekommen. Aber es geht ja um Survivor. „Vielleicht kommt da ja noch was?“

Und jetzt haben die VOX-Leute „echte“ Experten zur Sendung eingeladen. Im Anschluß an die erste Folge. Also ein Survivor-Special. Es gibt ja einen Block Sport bei Survivor (Du ahnst es schon. Es ist anders). Wen nehmen wir denn da? Keine Ahnung. Vielleicht einen Handball-Weltmeister? Der hat zwar keine Ahnung von Survivor, ist aber gerade verfügbar. Und einem Weltmeister werden die schon glauben, dass er alle Staffeln die jemals auf diesem Erdball gelaufen sind, schon als zehnjähriger aufgeregt verfolgt hat. Abgehakt.

Dann haben wir noch einen Block Überleben in Survivor (Den gibt es. Und Du ahnst es. Haben sie nur nicht gezeigt). Die kriegen ja schließlich nichts zu essen. Wen hätten wir denn da? Ah ja. Unseren RTL-Sender-Outdoor-Experten. Joey Kelly. Der hat zwar richtig was drauf. Echt. Meine wirkliche Hochachtung. Aber der macht alles alleine. Einzelkämpfer. Und hat auch alle Survivorfolgen ever gesehen. Kennt zwar nicht so alle Regeln. Wie sollte man auch bei 39 Staffeln allein in USA seit 2000. Aber er ist schonmal durch ganz Deutschland ohne Nahrung gerannt. Also. Auch dem glauben sie schon, wie man da überleben könnte. Abgehakt.

Da war ja noch ein dritter Block. Klar. Fast hätten sie’s vergessen. Die bei Survivor werfen doch immer einen raus am Ende. Wie bei Bigbrother früher. Und bei Promi-Bigbrother. Und bei DSDS. Da war doch auch mal was mit 100 Leuten in einem kleinen Haus? Die anderen fallen mir gerade nicht ein. Doch. Das Sommerhaus der Stars, das im Sommer erst so gut lief. Wen könnten wir denn da als Experten in die Runde schicken? Wen hätten wir denn da? Einen Experten für Gruppendynamische Prozesse? Nein. Ich hab’s. Rausschmeißen ist überall gleich. Denn Schach ist wie Halma. Ein Brettspiel. Da nehmen wir doch einfach die Knappik. Eine wahre Survivorexpertin. Schon in sämtlichen Trashshows quer durch alle Sender wegen Inkompatibilität mit der Gruppe rausgeflogen. Und auch noch ein wahres Rhetorikwunder dazu. Das passt. (Du ahnst es …)

bild sarah knappig

Und los geht’s mit der authentischen Runde. 90 Minuten lustiges „Wir werfen uns die Bälle zu“ bis Mitternacht. Der Star des Abends: Ben Istenes. Der hat doch tatsächlich die Sendung schon ZWEIMAL im ungarischen Fernsehen moderiert. Also jetzt weiß ich’s auch nicht mehr. Wer jetzt immer noch nicht begriffen hat, wie innovativ, aufregend, spannend und vor allem kreativ dieses „Zum-ersten-Mal-in-Deutschland-Survivor“ aus Amiland ist; ja dem ist echt nicht mehr zu helfen. Jetzt muss Deutschland doch überzeugt sein, was wir da Tolles abgeliefert haben und uns Traumquoten bescheren. (Wir wissen. Hat es nicht. Also ist flugs auch diese Folge vom 16.09.19aus der Mediathek genommen worden.)

Komisch. Ich bin gar nicht mehr sauer.

Das ist bestimmt die Altersmilde. Ich glaube, die sind einfach so. Und wer weiss? Vielleicht hat ja doch noch einer eine Erleuchtung und traut sich, jemanden wie mich zu fragen, ob ich ihm erklären könnte, wie Survivor funktioniert.

Das hier war trotzdem ein starkes Stück:

Beitragsbild Presseartikel TV-Movie

Das härteste Spiel der Welt??? Echt? Was ist daran hart, am schönsten Platz der Erde zu sein? Trottel. Aber das können auch nur wirkliche Survivor verstehen. Und ich weiß wovon ich rede. Denn „Oh. No. Its real.“

 

von Volker Görnert, Survivor 2007, 16.12.2019 (überarbeitet 22.12.19)

 

Ich bin mal gespannt. Es gibt noch eine Menge zu tun, bis „Survivor“ bei uns nochmal angefasst und dann auch ankommen wird.

Unsere Fernsehmacher-Macher sind Profis. Sie machen Fernsehen. Den ganzen Tag. Ich hoffe, sie trauen sich nochmal, machen „Survivor“ dann richtig und auch in Deutschland zu einer erfolgreichen Sendung. Denn nicht nur, wenn man dabei war, ist es spannend, unterhaltsam und außergewöhnlich.

Was meint ihr zur Überlebensshow „Survivor“ bei VOX?

Bis dahin. Euer Volker. Survivor 2007.

 

 

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